Netzwerkaufbau im Gewerbegebiet

Anleitung zum Gebietsmanagement

Attraktive Gewerbegebiete entstehen nicht nur aufgrund multifunktionaler Flächennutzung, innovativer Mobilitätskonzepte und nachhaltiger Energienutzung, sondern sie leben insbesondere durch die Unternehmen vor Ort, die diese Konzepte miteinander entwickeln und umsetzen. Nachfolgend werden erprobte Wege vorgestellt, Netzwerkstrukturen unter den ansässigen Unternehmen aufzubauen bzw. bereits vorhandene Beziehungen zu nutzen.

Bedarf und Ziele

Der Königsweg für ein erfolgreiches Unternehmensnetzwerk im Gewerbegebiet ist das Einrichten eines Gewerbegebietsmanagements, auch wenn das auf den ersten Blick mit finanziellem und personellem Aufwand verbunden ist. Langfristig zahlt sich die Arbeit aus, weil abgestimmtes Handeln mehr bewegt, als wenn jede einzelne Firma losgelöst eigene Veränderungen umsetzt. Die räumliche Nähe der Firmen untereinander bietet zudem die Chance der Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Gebiet als wesentlichen Faktor einer erfolgreichen und motivierten Zusammenarbeit. Ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Netzwerk verfolgt daher auch die Ziele einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität und die Entwicklung charakteristischer Standortmerkmale.

Netzwerkgründung als Start-Up

Um ein Netzwerk aufzubauen, haben sich vier Schritte bewährt:

  1. Aufbruchstimmung erzeugen

Den Auftakt der Netzwerkbildung und der nachhaltigen Gebietsgestaltung als Aufbruch sichtbar zu machen, weht frischen Wind ins Gewerbegebiet. Manchmal reicht es schon, öffentlichkeitswirksam eine Ansprechperson einzuführen. Noch besser ist die Kombination mit der Veröffentlichung von Unterstützungs- und Förderangeboten, beispielsweise auf einer neuen Homepage des Gewerbegebietes, um das es geht.

  1. Change Agents identifizieren

Die anfängliche Akteursrecherche führt in der Regel dazu, dass sich in dem ausgewählten Gewerbegebiet einige Unternehmen herauskristallisieren, die erfolgversprechend als erstes angesprochen werden können. Vielleicht haben sich auch parallel schon einige interessierte Unternehmen auf den öffentlichkeitswirksamen Auftakt hin gemeldet. Die nun folgenden Erstgespräche dienen dem Kennenlernen der Interessen und Motive, um aktive Unternehmer*innen als „Change Agents“ zu identifizieren.

  1. Zusammenhalt stärken

Gerade Unternehmen, die schon länger im Gebiet ansässig sind, können gute Partner sein, weil sie im Gebiet heimisch geworden sind. Hier nutzt dann wieder die anfängliche Recherche bestehender Netzwerke und Sympathien. In jedem Gewerbegebiet gibt es Unternehmen, die sich mehr engagieren und stärker vernetzt sind als andere. Hier gilt es, sowohl bestehendes Engagement und Kontakte der anliegenden Unternehmensvertreter*innen untereinander zu stärken als auch die bisher unbeteiligten Unternehmen in diese Kontakte einzubeziehen.

  1. Langfristigkeit sichern

Das große Ziel nach ist es immer, langfristige Wirkung und „Impact“ zu erzielen. Wenn es gelingt, das Unternehmensnetzwerk zu institutionalisieren und vor Ort zu verankern, besteht eine gute Chance, die angestrebte Dauerhaftigkeit der angestoßenen Aktivitäten und umgesetzten Maßnahmen zu erreichen. Das kann über eine Vereinsgründung sein oder über den dauerhaften Einsatz eines Gebietsmanagements.

Formate: Der richtige Mix macht´s!

Jedes Netzwerk hat seine eigenen Formate. Sie ergeben sich durch die Bedürfnisse der (potenziellen) Netzwerkmitglieder.

Kontinuierliche Veranstaltungsangebote

Wenn man sich beständige Netzwerke und ihre Austauschformate anschaut, trifft man sehr schnell auf wiederkehrende Formate, die etabliert sind und auf die sich die Netzwerkmitglieder als feste Eckpfeiler verlassen können. In Unternehmensnetzwerken ist das gerne das Business-Frühstück, das in der Regel bei wechselnden Unternehmen stattfindet. Andere Netzwerke haben Stammtische mit regelmäßigen Abendterminen oder Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen.

Formatvielfalt nach Bedarf

Neben den wiederkehrenden Veranstaltungen, die dem Austausch oder der strategischen Arbeit dienen, lebt ein Netzwerk auch von Kreativität, spontanen gemeinsamen Aktionen und flexiblem Eingehen auf aktuelle Anforderungen. Nicht alle haben Lust, an regelmäßigen Vorstandssitzungen teilzunehmen, klinken sich aber ein, wenn online ein Fachvortrag zu einem neuen Förderprogramm angeboten wird oder beteiligen sich am „Tag des Offenen Unternehmens“ oder kommen zum Neujahrsempfang der Bürgermeisterin bzw. des Bürgermeisters.

Niedrigschwellige Zugänge

Gerade zu Beginn eines Netzwerkaufbaus hat es sich bewährt, unverbindliche Formate durchzuführen, wie beispielsweise Infostände, Straßenfeste oder einen Neujahrsempfang. Nicht alle Unternehmer*innen fühlen sich durch unverbindliche Gruppenangebote angesprochen. Sie kann man oft durch individuelle, kostenlose Beratungsangebote zu Energieeffizienz, Planung von Außenanlagen, Nutzung erneuerbarer Energien, Elektromobilität etc. gewinnen.

 

Themen: Vielfalt mit Fokussierung

Neben der Wahl der passenden Formate, stellt sich die Frage, welche Themen und Inhalte für ein junges Unternehmensnetzwerk so spannend sind, dass Firmenvertreter*innen mitmachen. Um nicht den Fehler des Gießkannenprinzips zu machen, sondern stattdessen sichtbar und gemeinsam in dieselbe Richtung zu arbeiten, hat sich folgende schrittweise Fokussierung der Inhalte als zielführend erwiesen:

  1. Themenoffen beginnen

Wenn „resiliente Gewerbegebietsentwicklung“ als Rahmen feststeht, steht dem Netzwerk eine ganze Bandbreite von Themen offen. Wenn es gelingt, einleitend mit einem Kreis interessierter Unternehmer*innen, Wünsche abzufragen und ortsspezifische Themen zu diskutieren, erreicht man eine bessere Identifizierung mit den Themenschwerpunkten der Gebietsentwicklung und damit langfristig mehr Engagement. Hinzu kommen Sekundäreffekte der Netzwerkbildung, indem Unternehmen ihr Angebot im Gewerbegebiet bekannt machen und dadurch Kunden vor der eigenen Haustür generieren.

  1. Rahmen und Zielsetzung vereinbaren

Weil die Themenvielfalt groß ist, sollte nach Abfrage der Themenbedarfe ein inhaltlicher Rahmen gesetzt und vereinbart werden. Hierbei kann ruhig in großen Zielen und Visionen gedacht werden: klimaneutral werden, sich zum naturnahen Premiumgebiet entwickeln oder Ressourcenoptimierung. Wichtig ist hierbei, die Chancen und nicht die Defizite in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Er muss nicht perfekt sein, sondern dient vielmehr als Identifikations- und Richtschnur im Netzwerkaufbau.

  1. Individuelle und gemeinsame Aktivitäten zusammenführen

Einzelaktivitäten von Unternehmen erzielen eine deutlich höhere Wirkung, wenn sie im Verbund durchgeführt werden. Das kann über eine Beschilderung sein, die die Einzelaktivitäten ins Corporate Design der Gesamtaktion stellt oder über eine Online-Präsentation der Maßnahmen. Ziel ist es, die Einzelaktivitäten als Gesamtbild zu präsentiere. Für den Zusammenhalt im Netzwerk ist es zudem wertvoll, neben den Einzelmaßnahmen auch Gemeinschaftsaktivitäten zu planen. Das können eine abgestimmte Beschaffung, eine Mobilitäts-App für Fahrgemeinschaften, eine Alleepflanzung etc. sein. Im Idealfall bilden die Einzelmaßnahmen und Gemeinschaftsaktivitäten der Unternehmen zusammen die inhaltliche Rahmenzielsetzung ab.

Sind Sie interessiert an der Perspektive der Wirtschaftsförder*innen?
Dann klicken Sie hier!

Möchten Sie sich passende Best-Practice Beispiele ansehen?
Dann klicken Sie hier!

Sind Sie interessiert an der Perspektive der Stadtplaner*innen?
Dann klicken Sie hier!

Copyright © 2025 Natur Urban